Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Titelfoto: Fabia Krusenotto
06. Oktober 2020

Zwischen zwei Kontinenten

Die Regensburgerin Fabia Krusenotto flog im Februar nach Paraguay, um dort als Lehrerin zu unterrichten – dann kam Corona.

Im Büro ihres Vaters konnte Fabia Krusenotto von Deutschland aus ihre Schüler in Paraguay unterrichten. Jetzt ist sie wieder zurück an einem Gymnasium in Regensburg. Foto:Fabia Krusenotto

Regensburg. Anfang Februar ging es für Fabia Krusenotto nach Paraguay. An der deutschen Schule in Asunción wollte sie zwei Jahre unterrichten. Der Plan war, in dieser Zeit viel von Südamerika zu sehen, die Vorfreude war groß. Dass sie früher zu Hause ist als geplant, hätte sie bei ihrem Abflug nicht gedacht. Das Coronavirus sorgte auch in Paraguay für einen Ausnahmezustand. Seit Anfang März steht das Leben im ganzen Land still. „Bei gerade einmal fünf Infizierten wurde das ganze Land komplett dichtgemacht“, so Krusenotto. Zu groß war die Angst vor dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Also konzentrierte man sich auf Homeschooling.

Zurück nach Hause

Während des Lockdowns war sie fast rund um die Uhr in ihrer Wohnung. „Morgens eine Stunde Yoga, dann Frühstück im Stehen in der Küche und zurück an den Schreibtisch vor die Laptopkamera. Da gehst du irgendwann die Wände hoch.“ Als von der deutschen Botschaft das Angebot eines Rückholfluges kam, zögerte sie erst. „Wir rechneten ja damit, dass es nach zwei Monaten wieder normal weitergehen kann.“ Nachdem aber die Flughäfen in Paraguay geschlossen werden sollten, entschied sie sich für den Heimflug – mit der Hoffnung, ein paar Wochen später zurückzukehren.

Am 30. März landete sie in Deutschland und kam wieder bei ihren Eltern unter. Von dort aus unterrichtete sie ihre Schüler online. Die Zeitverschiebung von sechs Stunden sorgte für einen ganz anderen Tagesablauf. Erst am Nachmittag setzte sie sich vor ihren Laptop und schaltete sich bis abends live nach Paraguay. Das sorgte immer mehr für Unzufriedenheit: „Während sich meine Freunde im Sommer trafen und das schöne Wetter genießen konnten, musste ich sagen ,Ich komme nach‘ oder ,Heute schaffe ich es leider nicht‘. Das war frustrierend.“ Im Mai stand fest, dass die Schulen in Paraguay bis Dezember nicht wieder öffnen werden. Im August traf sie eine Entscheidung: Sie löste den Vertrag mit dem Colegio Goethe auf. Zu groß war die Ungewissheit, wann es wieder zur Normalität übergehen könnte. Schließlich ging Krusenotto mit einer ganz anderen Vorstellung nach Südamerika: „Man bereitet sich Monate darauf vor, gibt seinen Wohnort auf und hat den Plan, unter der Woche zur Schule zu gehen und an den Wochenenden und in den Ferien zu reisen und Südamerika zu entdecken.“

Ihre Wohnung in Paraguay hat sie noch immer. Über ebay versucht sie, aus der Ferne ein paar Möbel zu verkaufen. „Das klappt ganz gut. Ich bin froh, dass ich in den Wochen in Paraguay liebe Kollegen kennengelernt habe, die mir helfen.“ Ihre restlichen Habseligkeiten werden per Luftpost zu ihr nach Hause geschickt.

Kurzfristig planen

Jetzt ist sie wieder zurück in Regensburg. Seit dem neuen Schuljahr unterrichtet sie an einem Gymnasium. Obwohl sie nicht mehr am Colegio Goethe angestellt ist, bereitet sie abends weiter ihre Schüler aus der Oberstufe bestmöglich auf den Abschluss vor: „Die Kinder sind mir in der kurzen Zeit in Paraguay ans Herz gewachsen.“ Ihr Spanisch will sie trotzdem weiter verbessern. Einmal pro Woche hat sie Sprachunterricht in Argentinien – online natürlich. Dass sie irgendwann noch einmal nach Südamerika reisen möchte, steht fest. „Wenn uns das Jahr 2020 aber eines gelehrt hat, dann nicht zu weit in die Zukunft zu planen.“